Konzept Rechenschwäche

Konzept der Astrid- Lindgren- Schule zur Rechenschwäche

Rechenschwäche (auch unter den Begriffen „Dyskalkulie“ und „Arithmastenie“ bekannt) beschreibt in erster Linie große Schwierigkeiten in der Arithmetik. Sie gilt daher oft als Teilleistungsstörung und ist nicht Teil allgemeiner Lernschwierigkeiten. Bereits bei Schuleintritt verfügen Kinder normalerweise über eine Anzahl an mathematischen Kenntnissen, auf die von Beginn des Mathematikunterrichts an aufgebaut wird. Diese sind Vergleichen, Klassifizieren, Seriationen (Weiterführen von Reihenfolgen sowohl von geometrischen Mustern als auch von Zahlen) herstellen, Zählen, Mengenerfassen bis hin zu Kenntnissen zur Addition und Subtraktion.

In den ersten beiden Schuljahren wird die Basis für ein weiteres erfolgreiches mathematisches Lernen gelegt. Die Kinder müssen den Zahlbegriff (Ordinalzahl, Kardinalzahl) erfassen und sich den Zahlenraum bis 100 aufbauen sowie sich sicher darin bewegen können. Sie lernen das Dezimalsystem kennen und entdecken Gesetzmäßigkeiten, Analogien und Beziehungen. Die vier Grundrechenarten werden gelernt und sollen von ihrer Handlung her und in ihrer Umkehrbarkeit verstanden werden. Darüber hinaus sollen die Kinder flexibel und kreativ mit mathematischen Sachverhalten umgehen können.

Fehlen die oben aufgezählten vorschulischen Kenntnisse bzw. ist hier bereits bei Schuleintritt eine Entwicklungsverzögerung festzustellen, wird dies das mathematische Lernen behindern. Solche Kinder zeigen meist große Schwierigkeiten beim Verinnerlichungsprozess und greifen dann auf eigene Strategien zurück. Hierbei sind dann folgende Erscheinungen zu beobachten: Nominalismus (die Zuordnung von Zahlname und Ziffer/Symbol ohne ausgebildeten Zahlbegriff als kognitive Basis), Mechanismus (die unreflektierte mechanische Bewältigung mathematischer Aufgaben ohne Verständnis der zu Grunde liegenden Verfahrenstechniken) und Konkretismus (das Festhalten am konkreten Material).

Da ein erfolgreicher Mathematikunterricht nur da ansetzen kann, wo das Kind steht, muss bereits im Vorfeld und mit Schuleintritt festgestellt werden, über welche Vorkenntnisse das Kind verfügt. Ebenso ist eine Diagnostik während der ersten beiden Schuljahre von großer Wichtigkeit, da ein Lernen in den höheren Klassen ohne eine gesicherte Basis nicht möglich ist. Zum Beispiel kann der Zahlenraum nicht bis 1 Mio. erweitert werden, wenn das Dezimalsystem im Zahlenraum bis 100 nicht verstanden ist.

Diagnostik:

Die Diagnostik beginnt bereits vor Schuleintritt bei der Anmeldung und beim Schulspiel und muss in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um bei Schwierigkeiten möglichst frühzeitig mit einer geeigneten Förderung anzusetzen.

.Anmeldung

Bei der Anmeldung im Oktober wird überprüft, in wie weit das Kind z. B. die Zahlwortreihe beherrscht, Mengen bestimmen und Größer-/Kleinerzuordnungen vornehmen kann.

Schulspiel

Im Februar findet ein Schulspiel für die zukünftigen Erstklässer statt, bei dem verschiedene, für einen erfolgreichen Start notwendige Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse überprüft werden.

Im Bereich Mathematik wird zum einen mit einem Marienkäferspiel die Mengenerfassung sowie die Lagebeziehung überprüft. Im zweiten Teil müssen die Kinder Mengen erfassen bzw. abzählen und die richtige Zahl daneben schreiben. Hierbei wird beobachtet, in wie weit ein Kind kleinere Mengen bereits simultan erfassen und ob es die Zahlen schon schreiben kann. Zum Schluss sollen Mengen (ungeordnet und nach dem Würfelbild geordnet) mit dem jeweiligen Würfelbild und der jeweiligen Zahl verbunden werden. Auch hier wird die simultane Zahlerfassung, aber auch die Beziehung zwischen Menge und Zahl bzw. Würfelbild beobachtet.

Nach dem Schuleintritt werden beginnend mit einem Eingangstest (vom Lehrwerk „Flex und Floh“) in regelmäßigen Abständen die Lernstände überprüft. Dies geschieht zum Teil aber auch während des Unterrichts im Gespräch mit den Kindern. Eine rein ergebnisorientierte Diagnostik, bei der nur zwischen „richtig“ und „falsch“ unterschieden wird, macht wenig Sinn, da dadurch die konkreten Bereiche, in denen Defizite vorhanden sind, kaum ermittelt werden können. Dies gilt besonders bei der Untersuchung individueller Rechenwege, da diese meist Aufschluss über eventuelle fehlende Einsichten geben können.

Folgende Bereiche werden bei den Kindern vor allem in der Schuleingangsphase besonders untersucht:

Lagebeziehungen:

Da unsere Schule einen hohen Anteil an ausländischen Schülern hat, ist dieser Bereich häufig mit sprachlichen Problemen verbunden. Die richtige Anwendung von Präpositionen wird bereits beim Sprachtest im November vor der Einschulung überprüft. Dies wird auf spielerische Weise zu Beginn der Schulzeit wiederholt.

Bei der Eingangsdiagnostik wird die Unterscheidung links-rechts überprüft.

Zählen

Um eine Verbindung zwischen Menge und Zahl herstellen zu können, müssen die Kinder das Zählen in ihrem Zahlenraum (im 1.Schuljahr bis 20) können. Dies wird neben den bereits erwähnten Tests und neben der Eingangsdiagnostik vor allem innerhalb des ersten Schuljahres beim Aufbau des Zahlenraumes bis 20 immer wieder im Unterricht mit Material aber auch bei Lernzielkontrollen überprüft.

Mengen vergleichen

Ähnlich wie für den Bereich „Zählen“ werden auch die Kenntnisse beim Mengenvergleich sowohl mit Material in Unterrichts- oder Einzelgesprächen als auch in regelmäßigen Abständen bei Lernzielkontrollen abgetestet.

Teil-Ganzes-Konzept

Hierbei wird betrachtet, in wie weit die Kinder bereits verstanden haben, dass Zahlen aus anderen Zahlen zusammengesetzt sind, dass Zahlen in Teilmengen zerlegt werden können etc.. Dies wird zunächst auf der enaktiven Ebene, dann aber auch auf der ikonischen (mit Kreisen) und schließlich auf der symbolischen Ebene überprüft.

Simultane Zahlerfassung

Mit Hilfe von strukturiertem Material (z.B. 20er Feld und Wendeplättchen) werden die Kinder an das schnelle Sehen von Mengen herangeführt. Dieses wird vor allem bei schwächeren Kindern immer wieder auch während des Rechnens abgeprüft (z.B. „Woran siehst du, dass auf dem Feld eine 12 liegt? Erkläre!“).

Der Austausch zwischen Klassenlehrkräften und weiteren Lehrern, die das Kind beobachtet haben, gibt ebenfalls Hinweise auf die Bereiche, die beim Kind stärker gefördert werden müssen.

Förderung:

Die individuelle Förderung für SchülerInnen mit Rechenschwäche findet an unserer Schule innerhalb unterschiedlicher Organisationsformen statt.

Wie im Fach Deutsch gibt es auf für das Fach Mathematik jahrgangsübergreifende Förderbänder, in denen Schüler mit ähnlichem Übungsbedarf in einer kleineren Gruppe lernen. Diese finden jedoch auf Grund des bereits jahrgangsgemischten Unterrichts in den Klassen 1 und 2 nur in den Klassen 3 und 4 statt. So kann hier in einer weitestgehend homogenen Gruppe z.B. der Aufbau des Zahlenraumes erarbeitet und noch einmal vertieft werden. In den jahrgangsgemischten Klassen 1/2 werden auch parallel zum normalen Unterricht Lernstudios angeboten, in den die Kinder, bei denen ein Verdacht auf Rechenschwäche besteht, noch einmal gesondert gefördert werden.

In einigen Fällen findet bereits in Anlehnung an das Lesementoring eine Mathebegleitung statt, in der Mentoren mit einzelnen Kindern lernen. Dieses geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Klassenlehrerin.

Neben der äußeren Differenzierung erhalten die Kinder folgende binnendifferenzierende Angebote, welche den Kindern ein individuelles Arbeiten nach eigenem Tempo ermöglichen und ihnen die Freude und Lernmotivation am Fach Mathematik vermitteln:

– Arbeiten im Lehrwerk „Einstern“: Die Kinder können ihrem Leistungsstand entsprechend im Lehrwerk arbeiten, d.h. langsamere Lerner müssen sich nicht dem Lerntempo der ganzen Klasse anpassen.

– Bereitstellung und Besprechung von Arbeitsmaterialien: Die Kinder arbeiten mit einem für sie hilfreichen Arbeitsmaterial (20er Feld mit Plättchen, Rechenstrahl als strukturiertes Material, Steckwürfel, Perlen etc. als unstrukturiertes), an dem immer wieder Zahlen und ihre Beziehungen reflektiert werden.

– Logico: Die Kinder werden direkt zu Anfang der Schulzeit mit dem Lernmaterial Logico vertraut gemacht. Hierzu gibt es Aufgabenpläne mit verschiedenen Schwerpunkten, die die Kinder gemäß ihres Standes und Übungsbedarfes bearbeiten.

Als Fundus stehen an unserer Schule für Übungen zum Bereich Mathematik über die Lehrwerke hinaus viele weitere Materialien / Lehrgänge zur Verfügung, welche abhängig von den spezifischen Erfordernissen der SchülerInnen eingesetzt werden. Darunter finden sich z. B. die folgenden:

Das kleine Zahlenbuch Band 1 und 2 von mathe 2000

Handbücher produktiver Rechenübungen 1 und 2

Logico mit verschiedenen Schwerpunkten   (visuelle Wahrnehmung, Lagebeziehungen, Mengenerfassung, Zählen etc.)

Verschiedene Kartenspiele

Computerprogramme: Blitzrechnen und Lernwerkstatt