Konzept zur LRS

LRS-Konzept der Astrid-Lindgren-Schule

LRS (im weitesten Sinne = Lese- Rechtschreib- Schwierigkeiten) ist ein vielseitig verwendeter Begriff, welcher unterschiedliche Schwierigkeiten beschreibt, die entstehen können, wenn Kinder die Schriftsprache erwerben. Der Schriftspracherwerb umfasst eine Fülle komplexer Vorgänge. Dazu gehören u. A. die folgenden: Geschriebenes in Laute / Lautkombinationen verwandeln zu können (entzifferndes Lesen); so flüssig und strukturiert zu entziffern, dass Verstehen möglich wird und sogar über den expliziten Text hinaus Schlussfolgerungen gezogen werden können; Laute in Buchstaben zu übertragen (lautanalytische Fähigkeiten, alphabetische Strategie); beim Schreiben von Lauten und Wörtern Regeln anzuwenden und so von der 1 : 1- Übertragung von Laut zu Buchstabe abweichende Schreibungen zu produzieren (orthographische und morphematische Strategie); Rechtschreib- Regeln anzuwenden, welche sich aus Satzzusammenhängen ergeben (satzübergreifende Strategie). Ziel des Schriftspracherwerbs sind das verstehende, aktive Lesen von Texten, sowie das konzeptuelle und rechtschriftliche Verfassen von Texten.

Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache können auf jeder Stufe und zu jedem Zeitpunkt entstehen. Sie können bedingt sein durch ungünstige biologische Veranlagungen (u. A. Informationsverarbeitungsstörungen, Sakkadenproblematik etc.) oder durch umfeldbedingten erschwerten Zugang zum Schriftsprach-system (z. B. Mängel in der phonologischen Bewusstheit durch „Spracharmut“, Schwierigkeiten mit der verwendeten Methode etc.).

Deshalb ist die Basis einer Förderung der Lese- und Rechtschreibkompetenzen eine differenzierte Diagnostik, welche mit den schulischen Möglichkeiten zu ermitteln sucht, an welcher Stufe des Schriftspracherwerbs die grundlegenden Schwierigkeiten eines Kindes zu verorten sind.

Diagnostik:

Phonologische Bewusstheit:

Zur Identifikation von SchülerInnen mit Schwierigkeiten im Bereich der Phonologischen Bewusstheit stehen uns verschiedene diagnostische Mittel zur Verfügung. Zunächst einmal werden die grundlegenden Fähigkeiten, welche man unter dem Begriff Phonologische Bewusstheit zusammenfasst, im Rahmen der Schuleingangsdiagnostik beobachtet, sodass SchülerInnen mit besonderen Schwierigkeiten bereits vor Schulbeginn auffallen. Für solch auffällige SchülerInnen stehen dann in der Folgezeit das standardisierte Verfahren „Rundgang durch Hörhausen“ sowie ein Bogen zur kontinuierlichen Beobachtung zur Verfügung.

Rechtschreibung:

Neben der kontinuierlichen Beobachtung der Rechtschreibleistungen innerhalb des Unterrichts (z. B. mithilfe der Tinto-Kartei, ab Klasse 2 Materialien in Anlehnung an Norbert Sommer-Stumpenhorst) wird an unserer Schule die HSP (Hamburger Schreibprobe) verwendet. Für SchülerInnen, welche hierbei als solche auffallen, die noch grundlegende Schwierigkeiten aufweisen, werden im Anschluss mit der sehr detaillierten Diagnostik in Anlehnung an die DoRA (Dortmunder Rechtschreibfehler-Ananlyse) überprüft. Diese Diagnostik fungiert über die Identifikation von SchülerInnen mit Grundschwächen hinaus als sehr gutes förderdiagnostisches Mittel, um auch bei sehr schwachen Rechtschreibern Ansatzpunkte für Förderung zu finden. Die beschriebenen diagnostischen Maßnahmen dienen weniger einer Leistungsüberprüfung, sondern sind in erster Linie -und das verstärkt bei Kindern mit LRS- Mittel einer Förderdiagnostik.

Lesen:

Zur Diagnose der Lesefähigkeiten stehen unseren Lehrkräften verschiedene Testmaterialien zur Verfügung. Dazu gehören u. A. Lesetests der Flohkiste, der Stolper-Wörter-Lesetest und Tests in Computerprogrammen. Darüber hinaus liegen Beobachtungsbögen vor, welche der kontinuierlichen Beobachtung schwacher Leser und deren Entwicklung dienen. Der Austausch zwischen Klassenlehrkräften und Lesementoren, welche unsere Schwachen Leser in Einzelförderung betreuen, gibt zusätzliche Hinweise zur Entwicklung der Lesefähigkeit von Kindern mit Schwierigkeiten beim Lesen.

Förderung:

Die individualisierte Förderung für SchülerInnen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten findet an unserer Schule innerhalb unterschiedlicher Organisationsformen statt.

Zunächst einmal bietet die sog. Frühförderung (kleinere Zeiteinheiten von ca. 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn) zusätzliche Angebote über das normale Unterrichtsstundenangebot hinaus. Zweimal pro Woche kommen betroffene SchülerInnen zur Frühförderung, bei welcher sie auf der Basis der Diagnostik – betreut durch eine Lehrkraft – an der Behebung ihrer individuellen Schwierigkeiten arbeiten. Für die Klassen 1 und 2 besteht eine Frühfördergruppe aus 8 – 10 Kindern. In den Klassenstufen 3 und 4 dagegen kommen 12 – 15 Kinder zusammen. Die größere Selbstständigkeit der älteren SchülerInnen macht dennoch ein individualisiertes Arbeiten möglich.

Zusätzlich zur Frühförderung gibt es innerhalb des Förderbandes Deutsch Angebote zur Förderung von Lese- und Rechtschreibfähigkeiten. Die Struktur des Förderbandes ermöglicht es, SchülerInnen mit ähnlichen Schwierigkeiten klassenübergreifend zusammenzufassen, sodass die SchülerInnen dann in einer homogenisierten Gruppe Angebote für ihr spezifisches Schriftsprachniveau bekommen. Auch andere Angebote des Förderbandes wie z. B. das Thema Textaufgaben – Lesen im Fachunterricht helfen nicht nur, aber doch in erster Linie SchülerInnen mit Leseschwierigkeiten, fächerübergreifend Kompetenzen aufzubauen und das Erwerben von Lesekompetenz mit ihrem Potential in anderen Fächern zu verknüpfen.

Eine besondere Möglichkeit der Leseförderung und der für leseschwache SchülerInnen so wichtigen Lesemotivationsförderung bietet das an unserer Schule fest verankerte System von Lesepaten. Als Lesemütter oder im Rahmen des Lesementorings unterstützen Ehrenamtliche unsere SchülerInnen, indem sie dieselben nach der Struktur des Lernstudios (der/ die Betroffene erhält parallel zum Regelunterricht eine hier einstündige Einzelförderung) im Leselernprozess begleiten.

Neben den beschriebenen Möglichkeiten der äußeren Differenzierung erhalten SchülerInnen mit Lese- Rechtschreibschwierigkeiten unterschiedlichste binnendifferenzierende Angebote, welche einerseits versuchen, dem/r Betroffenen ein Weiterlernen auf der Stufe des Schriftspracherwerbs zu gewährleisten, auf dem er/sie sich gerade befindet, und andererseits vor allem auch dazu dienen sollen, die Lernmotivation zu erhalten und Erfolgsmöglichkeiten zu verschaffen. Eine solche binnendifferenzierende Förderung kann abhängig von Klassenstufe und Schwierigkeiten der SchülerInnen durch unterschiedlichste Maßnahmen erfolgen. Dazu gehört vor allem differenziertes Vorgehen im Rechtschreib- und Leseunterricht: z. B. durch andere / weniger Lernwortkarten, vereinfachte Arbeitsblätter, zusätzliche Visualisierungshilfen (Gebärden / Spiegel bei der Lautübung / vorgegebene Silbengliederung oder Satzstrukturierung in höheren Klassen / größere Schrift), unterschiedlich zügiges Arbeiten mit dem Deutschlehrwerk Tinto (Klassen 1 und 2), computergestützte Aufgabenstellungen, differenziertes Wochen- bzw. Tagesplanangebot etc. Zudem werden zum Bereich Phonologische Bewusstheit bereits in den ersten Schulwochen durch Diagnostik auffällig gewordene Schülerinnen und Schüler mit dem Material „Hexe Susi“ gefördert.

Als Fundus stehen an unserer Schule für Übungen zu den Bereichen Lesen und Rechtschreiben über die Lehrwerke hinaus viele weitere Materialien und Lehrgänge zur Verfügung, welche abhängig von den spezifischen Erfordernissen der SchülerInnen eingesetzt werden. Darunter finden sich z. B. die folgenden:

Leichter lesen und schreiben lernen mit der Hexe Susi von Maria Forster und Sabine Martschinke

Rechtschreibübungen: Rechtschreibschwäche muss nicht sein von Borghild Rehak (Duden Paetec)

Der Orthografikus von Hermann Josef Winzen

Das Marburger Rechtschreibtraining von Gerd Schulte-Körne

Die Rechtschreibleiter von Thomas Hawellek

Lesedominos / Lesememories

Lauttreue Leseübungen von Uwe Findeisen

Karteisystem und Abschreibtexte in Anlehnung an Sommer Stumpenhorst

Computerprogramme:

Lernwerkstatt

Die Rechtschreibwerkstatt

Das Schreiblabor

GUT 1

Deutsch in der Grundschule

Über die spezifische Förderung der Lese- und Rechtschreibkompetenzen von SchülerInnen mit LRS hinaus, stehen an unserer Schule allen SchülerInnen, und somit selbstverständlich auch den von LRS / Legasthenie betroffenen, vielfältige Angebote zur Leseförderung zu Verfügung.